652
edits
m (→Kommunikation: Beauty job) |
m (→Der Wind: beauty job) |
||
| Line 681: | Line 681: | ||
---- | ---- | ||
==Der Wind== | =='''Der Wind'''== | ||
Sicherlich hast Du schon einmal einen Heißluft-Ballon beobachtet, wie er sich ohne jeglichen eigenen Antrieb fortbewegt. Er lässt sich ganz einfach von der ihn umgebenden Luft forttragen – wobei wir auf dem Boden die ihn fort-tragende Luftmasse als Wind empfinden! Ganz ohne Wind (bzw. der Bewegung der Luftmassen) bewegt sich auch der schönste Ballon nur rauf runter! | Sicherlich hast Du schon einmal einen Heißluft-Ballon beobachtet, wie er sich ohne jeglichen eigenen Antrieb fortbewegt. Er lässt sich ganz einfach von der ihn umgebenden Luft forttragen – wobei wir auf dem Boden die ihn fort-tragende Luftmasse als Wind empfinden! Ganz ohne Wind (bzw. der Bewegung der Luftmassen) bewegt sich auch der schönste Ballon nur rauf runter! | ||
| Line 694: | Line 694: | ||
|align="vertical"|<span style="color:blue">'''Wind:''' Ein Heißluft-Ballon wird mit 20 kn Geschwindigkeit "vom Winde verweht", ohne dass die Passagiere auch nur einen Luftzug bemerken! Somit können diese sich köstlich über die Leute am Boden amüsieren, die ihren Hüten nachjagen. Und wenn wir jetzt mit unsere Cessna auf einem Flugplatz rollen würden, müssten wir aufpassen, dass uns bei Kurven der Seitenwind nicht umschmeißt!</span> | |align="vertical"|<span style="color:blue">'''Wind:''' Ein Heißluft-Ballon wird mit 20 kn Geschwindigkeit "vom Winde verweht", ohne dass die Passagiere auch nur einen Luftzug bemerken! Somit können diese sich köstlich über die Leute am Boden amüsieren, die ihren Hüten nachjagen. Und wenn wir jetzt mit unsere Cessna auf einem Flugplatz rollen würden, müssten wir aufpassen, dass uns bei Kurven der Seitenwind nicht umschmeißt!</span> | ||
<span style="color:red">''' | <span style="color:red">'''<abbr title="Indicated AirSpeed == angezeigte Geschwindigkeit gegenüber der Luft">IAS</abbr>''' (angezeigte Geschwindigkeit gegenüber der umgebenden Luft) ist die Geschwindigkeit die uns als Pilot interessiert, um unser Maschine in der Luft zu halten.</span> | ||
'''GS''' (Geschwindigkeit gegenüber dem Boden) ist objektive die interessante Geschwindigkeit, sowohl für die Passagiere die wissen wollen wann wir am Ziel ankommen, wie auch für uns, um z.B. zu berechnen wie viel Treibstoff wir brauchen, etc. | '''GS''' (Geschwindigkeit gegenüber dem Boden) ist objektive die interessante Geschwindigkeit, sowohl für die Passagiere die wissen wollen wann wir am Ziel ankommen, wie auch für uns, um z.B. zu berechnen wie viel Treibstoff wir brauchen, etc. | ||
| Line 700: | Line 700: | ||
Wenn wir also z.B. 110 Meilen fliegen wollten, wären wir ohne Wind nach 60 min am Ziel. Bei 20 kn Gegenwind 13 min später, und bei Rückenwind 11 Min früher! Bei Wind direkt von vorne oder hinten kann das noch jeder (60 / "Geschwindigkeit über Boden" * "Entfernung") - aber bei Seitenwind wird die Sache schon interessanter! Denn dann müssten wir erst die Gegenwind-Komponente errechnen - und dazu würden dann wohl doch die meisten Menschen eine Rechenmaschine benutzen! Besonders interessant wird das natürlich wenn wir nicht ständig gerade ausfliegen, sondern einem echten Kurs entlang mehrerer Wegpunkte folgen - dann ändert sich die Windkomponente nämlich ständig und wir müssen alle Einzelteile berechnen! Und das immer wieder recht schnell, denn der Wind ändert sich ja ständig über die Zeit und Ort! | Wenn wir also z.B. 110 Meilen fliegen wollten, wären wir ohne Wind nach 60 min am Ziel. Bei 20 kn Gegenwind 13 min später, und bei Rückenwind 11 Min früher! Bei Wind direkt von vorne oder hinten kann das noch jeder (60 / "Geschwindigkeit über Boden" * "Entfernung") - aber bei Seitenwind wird die Sache schon interessanter! Denn dann müssten wir erst die Gegenwind-Komponente errechnen - und dazu würden dann wohl doch die meisten Menschen eine Rechenmaschine benutzen! Besonders interessant wird das natürlich wenn wir nicht ständig gerade ausfliegen, sondern einem echten Kurs entlang mehrerer Wegpunkte folgen - dann ändert sich die Windkomponente nämlich ständig und wir müssen alle Einzelteile berechnen! Und das immer wieder recht schnell, denn der Wind ändert sich ja ständig über die Zeit und Ort! | ||
Als "Schönwetter-Freizeit-Piloten" interessiert uns kaum. Aber wenn wir einmal ein Ziel anfliegen wollen/müssen und der Wind von der Seite kommt, wird die Sache auch für uns sehr interessant! Lass uns das Problem einmal bildlich erläutern: | Als "Schönwetter-Freizeit-Piloten" interessiert uns das kaum. Aber wenn wir einmal ein Ziel anfliegen wollen/müssen und der Wind von der Seite kommt, wird die Sache auch für uns sehr interessant! Lass uns das Problem einmal bildlich erläutern: | ||
{| cellpadding="10" cellspacing="2" border="0" | {| cellpadding="10" cellspacing="2" border="0" | ||
||[[File:HB-Wind-drifts.png|300px|thumb|left]] | ||[[File:HB-Wind-drifts.png|300px|thumb|left]] | ||
Im Bild sind die grünen Türme (Bäume, Berge, Landbahnen, etc.) unser Ziel: | Im Bild sind die grünen Türme (Bäume, Berge, Landbahnen, etc.) unser Ziel: | ||
:a) Es herrscht kein Wind – das macht Spaß, wir brauchen unseren Kopf nicht anzustrengen (allerdings: Wenn der Wind direkt von vorne oder hinten kommt werden wir etwas früher oder später ankommen – das interessiert uns zur Zeit aber nicht!) | :'''''a) '''''Es herrscht kein Wind – das macht Spaß, wir brauchen unseren Kopf nicht anzustrengen (allerdings: Wenn der Wind direkt von vorne oder hinten kommt werden wir etwas früher oder später ankommen – das interessiert uns zur Zeit aber nicht!) | ||
:b) Der Wind kommt von links und wir werden je nach Windstärke mehr oder weniger nach rechts abgetrieben – wenn wir nichts tun um dies auszugleichen (z.B. wenn wir unseren Autopiloten fliegen lassen und ihn auf Heading (Richtung) 360° eingestellt haben!). Wir fliegen dann also am Ziel vorbei – und wären nicht die ersten die dann irgendwann feststellen das der Tank leer ist, aber das Ziel noch immer nicht zu sehen ist! | |||
:c) Wir behalten unser Ziel ständig im Auge und korrigieren unser Flugrichtung dementsprechend immer mehr und mehr. Theoretisch kämen wir schlussendlich um 90° verdreht am Ziel an. Das ist meist nicht besonders sinnvoll – insbesondere nicht im Landeanflug, denn plötzlich stimmt die Richtung der Landebahn (hier z.B. 360°) überhaupt nicht mehr mit unserer Flugrichtung (theoretisch 270°) überein – bei merkbarem Seitenwind kannst Du so nie landen! | :'''''b) '''''Der Wind kommt von links und wir werden je nach Windstärke mehr oder weniger nach rechts abgetrieben – wenn wir nichts tun um dies auszugleichen (z.B. wenn wir unseren Autopiloten fliegen lassen und ihn auf Heading (Richtung) 360° eingestellt haben!). Wir fliegen dann also am Ziel vorbei – und wären nicht die ersten die dann irgendwann feststellen das der Tank leer ist, aber das Ziel noch immer nicht zu sehen ist! | ||
:d) Hier richten wir das Flugzeug ganz bewusst nicht am Ziel aus – sondern irgendwo weiter weg. Wenn Dein Ziel beim Anfliegen mit konstantem Kurs nach links weg-driftet, suche Dir einen Richtpunkt möglichst weit weg (sicherlich weiter weg als das Ziel!) und links vom Ziel und richte Deine (Flugzeug-) Nase dorthin. Prüfe hin und wieder ob Du Dich noch auf das Ziel zubewegst oder seitlich daran vorbei fliegst – und ziele mit der Flugzeugnase dementsprechend etwas weiter links oder rechts vom Richtpunkt. | |||
:'''''c) '''''Wir behalten unser Ziel ständig im Auge und korrigieren unser Flugrichtung dementsprechend immer mehr und mehr. Theoretisch kämen wir schlussendlich um 90° verdreht am Ziel an. Das ist meist nicht besonders sinnvoll – insbesondere nicht im Landeanflug, denn plötzlich stimmt die Richtung der Landebahn (hier z.B. 360°) überhaupt nicht mehr mit unserer Flugrichtung (theoretisch 270°) überein – bei merkbarem Seitenwind kannst Du so nie landen! | |||
:'''''d) '''''Hier richten wir das Flugzeug ganz bewusst nicht am Ziel aus – sondern irgendwo weiter weg. Wenn Dein Ziel beim Anfliegen mit konstantem Kurs nach links weg-driftet, suche Dir einen Richtpunkt möglichst weit weg (sicherlich weiter weg als das Ziel!) und links vom Ziel und richte Deine (Flugzeug-) Nase dorthin. Prüfe hin und wieder ob Du Dich noch auf das Ziel zubewegst oder seitlich daran vorbei fliegst – und ziele mit der Flugzeugnase dementsprechend etwas weiter links oder rechts vom Richtpunkt. | |||
|} | |} | ||
Vorstehendes hilft natürlich nur, wenn wir so dicht am Ziel sind, dass wir es ständig sehen! Was aber würde passieren wenn der Wind mit 20 kn von der Seite kommt, und wir 1 Stunde mit 110 kn fliegen? Richtig: Wir würden in 20 Meilen Entfernung am Ziel vorbeifliegen. D.h. Wir würden auch mit den besten Ferngläsern das Ziel nicht sehen! | Vorstehendes hilft natürlich nur, wenn wir so dicht am Ziel sind, dass wir es ständig sehen! Was aber würde passieren wenn der Wind mit 20 kn von der Seite kommt, und wir 1 Stunde mit 110 kn fliegen? Richtig: Wir würden in 20 Meilen Entfernung am Ziel vorbeifliegen. D.h. Wir würden auch mit den besten Ferngläsern das Ziel nicht sehen! | ||
| Line 714: | Line 717: | ||
Jedenfalls solltest Du nun für ewig den Unterschied zwischen Richtung (wo die Nase hinzeigt) und Kurs (der Weg über Grund) wissen! | Jedenfalls solltest Du nun für ewig den Unterschied zwischen Richtung (wo die Nase hinzeigt) und Kurs (der Weg über Grund) wissen! | ||
'''''Natürlich ergibt sich daraus auch: '''''Um so schneller ein Flugzeug fliegt, um so weniger hat es dieses Problem (auf kurzen Strecken)! | '''''Natürlich ergibt sich daraus auch: '''''Um so schneller ein Flugzeug fliegt, um so weniger hat es dieses Problem (auf kurzen Strecken), denn die Seitenwind-Komponente wird gegenüber der Geschwindigkeit vernachlässigbar! | ||
Besonders wichtig wird der Einfluss des Windes bei Starts, Landungen und Rollen – siehe die folgenden Kapitel: | |||
<br /> | <br /><br /> | ||
===Taxi/Rollen bei Seitenwind=== | ===Taxi/Rollen bei Seitenwind=== | ||
Denke daran: Hierzu gehört alles, was Du tust während alle Räder auf dem Boden sind. Also auch der erste Teil eines Startes und der letzte Teil einer Landung! | Denke daran: Hierzu gehört alles, was Du tust während alle Räder auf dem Boden sind. Also auch der erste Teil eines Startes und der letzte Teil einer Landung! | ||
| Line 726: | Line 728: | ||
Sei also immer vorgewarnt und halten Dich an die folgende Regel: (Folgendes gilt nicht direkt für "Tailwheeler" (mit Spornrad am Ende)) | Sei also immer vorgewarnt und halten Dich an die folgende Regel: (Folgendes gilt nicht direkt für "Tailwheeler" (mit Spornrad am Ende)) | ||
::{| cellpadding="10" cellspacing="2" border="1" | ::{| cellpadding="10" cellspacing="2" border="1" | ||
||'''''Steuere mit dem Yoke (Steuerhorn) immer <big>IN</big> den Wind!''''' | ||'''''Steuere mit dem <abbr title="Steuerhorn">Yoke</abbr> (Steuerhorn) immer <big>IN</big> den Wind!''''' | ||
|} | |} | ||
Lass uns das (physikalisch) untermauern, in dem wir die Extreme betrachten: | Lass uns das (physikalisch) untermauern, in dem wir die Extreme betrachten: | ||
*Wenn der Wind direkt von vorne kommt (12 Uhr) drücken wir den Yoke | *Wenn der Wind direkt von '''''vorne''''' kommt (12 Uhr) drücken wir den <abbr title="Steuerhorn">Yoke</abbr> nach vorne. Damit geht der Elevator (Höhenruder) nach unten, und wenn der Wind dagegen drückt, drückt er den Schwanz des Flugzeuges nach oben – die Wirkung der Tragflächen bleibt neutral. Das ist die stabilste Lage für das Flugzeug und stellt auch sicher, dass das Bugrad fest auf dem Boden bleibt und die Maschine somit lenkbar bleibt. Übrigens solltest Du auch bei '''''Windstille''''' das Höhenruder immer etwas nach vorne halten – denn auch der reine Fahrtwind ist praktisch ein Wind aus 12 Uhr! | ||
*Wenn der Wind direkt von hinten kommt (6 Uhr) ziehen wir den Yoke nach hinten. Damit stellt sich der Elevator nach oben, der Wind wird nach unten weggedrückt und somit der Schwanz wiederum nach oben. Wir haben also die gleichen Vorteile wie vorher – sollten aber umso mehr auf die Geschwindigkeit achten: Es wird nämlich deutlich schneller und damit steigt die Gefahr zu kippen sobald wir lenken müssen! | *Wenn der Wind direkt von '''''hinten''''' kommt (6 Uhr) ziehen wir den <abbr title="Steuerhorn">Yoke</abbr> nach hinten. Damit stellt sich der Elevator nach oben, der Wind wird nach unten weggedrückt und somit der Schwanz wiederum nach oben. Wir haben also die gleichen Vorteile wie vorher – sollten aber umso mehr auf die Geschwindigkeit achten: Es wird nämlich deutlich schneller und damit steigt die Gefahr zu kippen sobald wir lenken müssen! | ||
*Wenn der Wind direkt von links kommt (9 Uhr) versucht er unseren Liebling nach rechts um-zuschmeißen! Dem wirken wir mit den Ailerons entgegen: Yoke nach links drückt die linke Tragfläche nach unten und die rechte nach oben – also Druck entgegengesetzt dem windigen Bemühen uns nach rechts um-zuschmeißen. | *Wenn der Wind direkt von '''''links''''' kommt (9 Uhr) versucht er unseren Liebling nach rechts um-zuschmeißen! Dem wirken wir mit den Ailerons entgegen: <abbr title="Steuerhorn">Yoke</abbr> nach links drückt die linke Tragfläche nach unten und die rechte nach oben – also Druck entgegengesetzt dem windigen Bemühen uns nach rechts um-zuschmeißen. | ||
*Und natürlich das entgegengesetzte: Wind von rechts (3 Uhr) → Yoke nach rechts → die Ailerons halten dagegen. | |||
*Und natürlich das entgegengesetzte: Wind von '''''rechts''''' (3 Uhr) → <abbr title="Steuerhorn">Yoke</abbr> nach rechts → die Ailerons halten dagegen. | |||
Nun sind die „Zwischentöne“ ganz einfach: | Nun sind die „Zwischentöne“ ganz einfach: | ||
*kommt der Wind von schräg vorne → halten wir den Yoke genauso schräg: Drücken wir also etwas und drehen in die entsprechende Richtung (10, 11, 1, 2 Uhr). | *kommt der Wind von schräg vorne → halten wir den <abbr title="Steuerhorn">Yoke</abbr> genauso schräg: Drücken wir also etwas und drehen in die entsprechende Richtung (10, 11, 1, 2 Uhr). | ||
*kommt der Wind von schräg hinten → halten wir den Yoke genauso schräg: Ziehen wir also etwas und drehen in die entsprechende Richtung (4, 5, 7, 8 Uhr). | *kommt der Wind von schräg hinten → halten wir den <abbr title="Steuerhorn">Yoke</abbr> genauso schräg: Ziehen wir also etwas und drehen in die entsprechende Richtung (4, 5, 7, 8 Uhr). | ||
Natürlich musst Du auch noch lenken, denn ein Seitenwind drückt gegen das „riesige“ Seitenleitwerk und drückt damit den Schwanz herum – dem müssen wir entgegensteuern: Mit Rudder (Seitenleitwerk) und/oder Bugradlenkung und/oder Differential-Bremsen (rechtes/linkes Rad)! | Natürlich musst Du auch noch lenken, denn ein Seitenwind drückt gegen das „riesige“ Seitenleitwerk und drückt damit den Schwanz herum – dem müssen wir entgegensteuern: Mit Rudder (Seitenleitwerk) und/oder Bugradlenkung und/oder Differential-Bremsen (rechtes/linkes Rad)! | ||
<br /> | <br /><br /> | ||
===Starten bei Seitenwind=== | ===Starten bei Seitenwind=== | ||
Dies ist sehr schwierig abzustimmen, insbesondere da sich die Geschwindigkeit stetig ändert und sich damit auch die Bedeutung des Windes ständig ändert. Die Konstrukteure versuchen dem Rechnung zu tragen, in dem vor dem Flughafenbau die vorherrschenden Windrichtungen sehr genau analysiert werden. Oft werden sogar mehrere Landbahnen gebaut um den Windrichtungen Rechnung zu tragen, und oft gibt es zusätzlich eine kürzere Landebahn für Kleinflugzeuge, die natürlich bei Seitenwind die größten Probleme haben. | Dies ist sehr schwierig abzustimmen, insbesondere da sich die Geschwindigkeit stetig ändert und sich damit auch die Bedeutung des Windes ständig ändert. Die Konstrukteure versuchen dem Rechnung zu tragen, in dem vor dem Flughafenbau die vorherrschenden Windrichtungen sehr genau analysiert werden. Oft werden sogar mehrere Landbahnen gebaut um den Windrichtungen Rechnung zu tragen, und oft gibt es zusätzlich eine kürzere Landebahn für Kleinflugzeuge, die natürlich bei Seitenwind die größten Probleme haben. | ||
So lange der Wind direkt von vorne kommt erleichtert er uns den Start beträchtlich: Denn gegenüber dem Boden erreichen wir die Abhebegeschwindigkeit sehr viel früher. Ein Beispiel: | So lange der Wind direkt von vorne kommt erleichtert er uns den Start beträchtlich: Denn gegenüber dem Boden erreichen wir die Abhebegeschwindigkeit sehr viel früher. Ein Beispiel: | ||
*Wir benötigen zum Abheben immer die gleiche <abbr title="Indicated AirSpeed == angezeigte Geschwindigkeit gegenüber der Luft">IAS</abbr> von mindestens '''55 kn'''. | *Wir benötigen zum Abheben mit unserer C172 immer die gleiche <abbr title="Indicated AirSpeed == angezeigte Geschwindigkeit gegenüber der Luft">IAS</abbr> von mindestens '''55 kn'''. | ||
*Bei Windstille benötigen wir für die erforderliche Beschleunigung von 0 auf 55 kn eine bestimmte Wegstrecke | *Bei Windstille benötigen wir für die erforderliche Beschleunigung von 0 auf 55 kn eine bestimmte Wegstrecke | ||
*Wenn wir aber einen Gegenwind von z.B. 10 kn haben müssen wir nur noch von 10 auf 55 kn ('''=45''') beschleunigen, also deutlich weniger – und somit benötigen wir auch nur eine kürzere Startbahn! | *Wenn wir aber einen Gegenwind von z.B. 10 kn haben müssen wir nur noch von 10 auf 55 kn ('''=45''') beschleunigen, also deutlich weniger – und somit benötigen wir auch nur eine kürzere Startbahn! | ||
*Bei Rückenwind passiert natürlich das Gegenteil: Wir müssten dann z.B. von -10 auf 55 kn ('''=65''') beschleunigen und benötigen somit eine deutlich längere Startbahn. | *Bei Rückenwind passiert natürlich das Gegenteil: Wir müssten dann z.B. von -10 auf 55 kn ('''=65''') beschleunigen und benötigen somit eine deutlich längere Startbahn. | ||
Eine möglichst kurze Startstrecke ist natürlich äußerst vorteilhaft insbesondere wenn die Landebahn sowieso recht kurz ist und | Eine möglichst kurze Startstrecke ist natürlich äußerst vorteilhaft insbesondere wenn die Landebahn sowieso recht kurz ist -- und ganz besonders wenn beim beim Start etwas schief geht, und wir abbrechen müssen! Also ist es eine ganz rigide durchzusetzende Sicherheitsmaßnahme '''''IMMER bestmöglichst gegen den Wind starten'''''. | ||
Landebahnen haben fast immer 2 Richtungen von denen fast immer beide sowohl für Starts wie auch Landungen benutzt werden können. In den FlightGear-Daten findest Du deshalb leider immer nur eine Richtung definiert, die | Landebahnen haben fast immer 2 Richtungen von denen fast immer beide sowohl für Starts wie auch Landungen benutzt werden können. In den FlightGear-Daten findest Du deshalb leider immer nur eine Richtung definiert, die zweite wird errechnet. Das kann zu Problemen führen: z.B. gibt es in EDDF eine Startbahn 18 - ohne das Zwillingspärchen 36! - und auf dieser 18 darf zudem nur gestartet werden (nicht gelandet!). Aber wenn Du halbwegs wirklichkeitsgetreu simulieren willst, schaust Du sowieso während der Flugvorbereitung zuerst in den formellen Unterlagen nach wo Du landen bzw. starten kannst bzw. darfst! Schon aus lauter Angst vor dem evtl. dienst-habenden, menschlichen <abbr title="Air Traffic Control == Luftverkehrs-Kontrolle">ATC</abbr>! | ||
{| cellpadding="10" cellspacing="2" border="0" | {| cellpadding="10" cellspacing="2" border="0" | ||
| Line 780: | Line 783: | ||
Bei der Landung musst Du Gleiches beachten wie beim Starten - und ganz besonders auch das am Anfang dieses Wind-Kapitels gesagte: Halte nicht direkt auf die Landebahn zu, sondern richte die Nase zu einem Punkt seitlich davon und möglichst weiter weg und prüfen quasi nur nebenbei ob Du Dich tatsächlich auf die Landebahn zubewegst. Tue das anfangs ganz bewusst – mit der Zeit wird das eine Selbstverständlichkeit: Beim Anflug kommt es nicht darauf an, dass die Flugzeugnase auf die Landebahn gerichtet ist – die Landebahn in ihrer ganzen Länge muss immer genau mit Deiner Bewegungs-Richtung abgestimmt werden! Dann beachte im letzten Teil der Landung: | Bei der Landung musst Du Gleiches beachten wie beim Starten - und ganz besonders auch das am Anfang dieses Wind-Kapitels gesagte: Halte nicht direkt auf die Landebahn zu, sondern richte die Nase zu einem Punkt seitlich davon und möglichst weiter weg und prüfen quasi nur nebenbei ob Du Dich tatsächlich auf die Landebahn zubewegst. Tue das anfangs ganz bewusst – mit der Zeit wird das eine Selbstverständlichkeit: Beim Anflug kommt es nicht darauf an, dass die Flugzeugnase auf die Landebahn gerichtet ist – die Landebahn in ihrer ganzen Länge muss immer genau mit Deiner Bewegungs-Richtung abgestimmt werden! Dann beachte im letzten Teil der Landung: | ||
*Halte diese Anflugs-Haltung bis ganz kurz vor dem tatsächlichen Aufsetzen bei | *Halte diese Anflugs-Haltung bis ganz kurz vor dem tatsächlichen Aufsetzen bei | ||
*Erst wenn Du die berühmten „1 cm über dem Boden“ erreicht hast richte die Nase durch einen kräftigen (aber wohl dosierten) Tritt in das Seitenruder | *Erst wenn Du die berühmten „1 cm über dem Boden“ erreicht hast richte die Nase durch einen kräftigen (aber wohl dosierten) Tritt in das Seitenruder auf die Landebahn aus. | ||
*Das Flugzeug setzt dann mit einem Rad zuerst auf , halte die Richtung mit dem Rudder bis auch die anderen Räder auf den Boden kommen | *Das Flugzeug setzt dann mit einem Rad zuerst auf , halte die Richtung mit dem Rudder bis auch die anderen Räder auf den Boden kommen | ||
*Und benutzen dann die Techniken des „Rollens bei Seitenwind“ (siehe Anfang). | *Und benutzen dann die Techniken des „Rollens bei Seitenwind“ (siehe am Anfang). | ||
Vorstehendes beschreibt die sogenannte „'''''Slip-Landung'''''“ (Seitenwindlandung mit Vorhaltewinkel). Auf der deutschen wiki-Seite http://de.wikipedia.org/wiki/Seitenwindlandung findest Du dazu noch detailliertere Beschreibungen und auch weiter Landtechniken für diese Situation. | Vorstehendes beschreibt die sogenannte „'''''Slip-Landung'''''“ ''(Seitenwindlandung mit Vorhaltewinkel)''. Auf der deutschen wiki-Seite http://de.wikipedia.org/wiki/Seitenwindlandung findest Du dazu noch detailliertere Beschreibungen und auch weiter Landtechniken für diese Situation. | ||
<br /> | <br /> | ||
===Landebahn & Wind=== | ===Landebahn & Wind=== | ||
| Line 806: | Line 809: | ||
||Die Landebahn "'''''18'''''" verläuft genau in Richtung Süden (180°), somit muss sie für alle Winde aus südlicher Richtung genommen werden. | ||Die Landebahn "'''''18'''''" verläuft genau in Richtung Süden (180°), somit muss sie für alle Winde aus südlicher Richtung genommen werden. | ||
*Also alle Windrichtungen unterhalb der blauen Linie! | *Also alle Windrichtungen unterhalb der blauen Linie! | ||
**Oder rechnerisch "180 +/- 90", also bei Windrichtungen zwischen | **Oder rechnerisch "180 +/- 90", also bei Windrichtungen zwischen '''''91° bis 269°''''' | ||
*Die Landebahn "'''''36'''''" verläuft von Süden (unten) nach Norden, somit muss sie für alle Winde aus nördlicher Richtung genommen werden. | *Die Landebahn "'''''36'''''" verläuft von Süden (unten) nach Norden, somit muss sie für alle Winde aus nördlicher Richtung genommen werden. | ||
| Line 824: | Line 827: | ||
*<span style="color: rgb(204, 51, 204)">'''''Wind aus 120°: '''''teste für | *<span style="color: rgb(204, 51, 204)">'''''Wind aus 120°: '''''teste für | ||
**rw18: 180-120<90 | **rw18: '''''180-120<90''''' 180+120>90: hier ist der erste Wert kleiner 90 (180-120=60) --> also kann '''''rw18''''' benutzt werden | ||
**rw36: 360-120>90 360+120>90: beide Werte sind größer als 90 --> somit kann rw36 (360°) nicht benutzt werden.</span> | **rw36: 360-120>90 360+120>90: beide Werte sind größer als 90 --> somit kann rw36 (360°) nicht benutzt werden.</span> | ||
Obwohl es immer 4 Rechnungen gibt - kann doch immer nur ein Wert <90 sein - sobald der gefunden ist muss nicht weiter gesucht werden. Somit braucht man (nach einiger Übung) nur seinen ersten "Verdacht" rechnerisch zu überprüfen - und das geht sehr schnell! | Obwohl es immer 4 Rechnungen gibt - kann doch immer nur ein Wert <90 sein - sobald der gefunden ist muss nicht weiter gesucht werden. Somit braucht man (nach einiger Übung) nur seinen ersten "Verdacht" rechnerisch zu überprüfen - und das geht sehr schnell! | ||
|} | |} | ||
edits